Fachspezifisches Wissen und Können

Basis einer erfolgreichen und befriedigenden beruflichen Tätigkeit ist die eigene fachliche Kompetenz und die Bereitschaft, diese ständig zu erweitern. Das handwerkliche Können, die Geschicklichkeit oder das Know-how werden auch im interregionalen Kontext Qualitätskriterien für eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit sein. Beim Ausüben eines Berufes im Nachbarland sind jedoch darüber hinaus weitere Fähigkeiten notwendig. Das fachspezifische Wissen muss unter Bedingungen eingesetzt werden, die sich mehr oder weniger stark von denen im eigenen Land unterscheiden.

Daher ist es wichtig, Arbeitsabläufe und unterschiedliche technischen Systeme, Symbole und formale Bezeichnungen der Partnerregion gut zu kennen: unterschiedliche Vorgangsweisen im Management, in der Präsentation oder Abwicklung von Arbeitsabläufen zu verstehen und die Kommunikationskanäle und Unterstützungssysteme benutzen zu können.

 

Allgemeinwissen

 

Geografie- und Wirtschaftswissen

Dieser Wissensbereich bezieht sich auf das Nachbarland, um seine wirtschaftlichen Schwerpunkte und Stärken im europäischen Kontext einzuschätzen, einen topografischen Überblick zu haben und sich darin zurechtzufinden. Hilfreich dafür sind Kenntnisse in Bezug auf:

  • Schwerpunkte der Wirtschaft (Tourismus, Industrie etc.) Bruttoinlandsprodukt, Außenhandelsbilanz, Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, internationales Ranking
  • Wirtschaftszonen, Zentren, Peripherien, die größten Betriebe
  • Städte und Einwohnerzahlen im Vergleich
  • Verkehrswege: Autobahn, Bahnstrecken, Flughäfen, öffentlicher Verkehr
  • politische und geografische Strukturierung: Regionsgrenzen, Gebietseinheiten, Verwaltungseinheiten, Entscheidungsebenen
  • sozialpartnerschaftliche Organisationen, Interessensvertretungen: Vergleichbarkeit und Unterschiede
  • Ausbildung und Berufe, Bildungssystem
  • Regionalpolitik, regionale Institutionen der EU, Fördersysteme

 

  • aktueller Wechselkurs, ungefähre Preise wichtiger Güter: Milch, Brot, Essengehen, Hotelnächtigungen, Treibstoff

 

Rechtliches Wissen

Über die wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen in der Nachbarregion sollte man Bescheid wissen. Vor allem in den Bereichen, in denen es Unterscheide gibt:

  • Wirtschaft: Steuern (MwSt./DPH) und Zollbestimmungen
  • Polizei: Diebstahls- und Verlustanzeigen
  • Verkehr: Promillegrenze, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Kurzparkzonen, Autobahngebühren, Tagfahrlicht
  • Jugendschutzgesetze: Alkohol- und Rauchverbote, Altersgrenzen beim Ausgehen

 

Kultur und Sport

Wer etwas über die in der Nachbarregion beliebten Gesprächsthemen und Idole weiß, hat viele Anknüpfungspunkte für Small Talk und kann recht rasch Nähe erzeugen.

  • Sport: Eishockey, Schifahren, Schispringen, Fußball etc.
  • Kino: Oscar-preisgekrönte Filme und internationale Stars aus Österreich und Tschechien, berühmte tschechische Kinderfilme
  • Sehenswürdigkeiten: Hauptstädte, UNESCO-Weltkulturerbe
  • Natur: Nationalparks, Boottourismus, Mountainbike-Gebiete, Berge und Seen
  • Kunst: verbindende Kultur der Monarchie: Prag-Wien, Kaffeehausliteratur
  • Klassische Musik: weltbekannte Komponisten und Werke
  • Volkskultur: Feste, Bräuche, Blasmusik
  • Popmusik: Stars, Bands, Festivals

 

Allgemein

  • Ferien und Feiertage
  • Parteienlandschaft, politische Systeme, amtierende Regierungschefs
  • Religion: Tradition der katholischen Kirche (Ö), der protestantischen (Ö, CZ), der Hussitischen Kirche (CZ) und der Konfessionslosigkeit (CZ), muslimische Glaubensgemeinschaft (Ö)
  • Medien: TV-Sender, Tageszeitungen, Online-Portale
  • Notrufnummern

 

 

 

Soziokulturelles und historisches Wissen

 Geschichtliches Basiswissen ist substantieller Bestandteil interregionaler Kompetenz. Es signalisiert Interesse am Land/der Region der Dialogpartnerin und drückt Wertschätzung aus. Gleichzeitig vermindert es die Gefahr, in „Fettnäpfchen“ zu treten. Denn man weiß, wo sensible Punkte der gemeinsamen Geschichte sind und kann entscheiden, ob und wie man diese anspricht.

 

Generationenwissen

Im Dialog ist es wichtig zu wissen, in welchem gesellschaftlichen Rahmen die GesprächspartnerInnen aufgewachsen sind. Gerade in der von großen historischen Umbrüchen geformten Gesellschaft wie der Tschechiens (Tschechoslowakei, Tschechischen Republik usw.) in den letzten 80 Jahren haben verschiedene Generationen einen unterschiedlichen Erlebnishintergrund.

Was für die einen ein welthistorisches Ereignis wie der Fall des Eisernen Vorhanges ist, ist für Menschen unter 30 Jahren nicht oder kaum in Erinnerung.

Die Einstellung eines tschechischen und eines österreichischen Jugendlichen sind wohl ähnlicher als die eines tschechischen Pensionisten und eines tschechischen Jugendlichen.

 

Strategisches Wissen

In einer Informationsgesellschaft kommt dem Know-how über die Wissensbeschaffung häufig schon mehr Bedeutung zu als dem Wissen selbst.

Strategisches Wissen bedeutet in diesem Zusammenhang zu wissen, was zu wissen ist, wo das Wissen verfügbar ist und wie man es sich aneignen kann. Auf die interregionalen Kompetenzen bezogen stellen sich folgende Fragen:

  • Auf welchen tschechischen Plattformen kann man gut im Internet recherchieren?
  • Welche sprachmittelnden Funktionen haben internationale Plattformen wie Wikipedia oder Google? Wie kann man dort von einer Sprache in die andere wechseln?
  • Welche Auskünfte geben welche Behörden?